Pauschalreiserecht

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Die Freude auf eine gebuchte Pauschalreise ist meist groß. Gerne werben die Reiseveranstalter mit ausgezeichneten Hotels und Traumstränden.

Vor Ort angekommen kann sich aber schnell ein anderes Bild ergeben. Wenn sich das im Prospekt vollmundig als 5-Sterne-Luxushotel mit direkter Strandlage angepriesene Hotel als 2-Sterne-Hotel in einer Seitenstraße weit weg vom Strand entpuppt oder der Pool dank Algenplage unbenutzbar ist, kann die Freude am Urlaub schnell dahin sein.

Auch wenn die bei der Buchung vereinbarten Flugzeiten am Nachmittag durch den Reiseveranstalter auf den frühen Morgen verlegt werden, können erhebliche Belastungen auf den Reisenden zukommen, welche die Reise stark beeinträchtigen.

Reiseveranstalter sind an die im Katalog gemachten Angaben zum Hotel gebunden. Wenn sich vor Ort herausstellt, dass die Zimmer kleiner, der Pool nicht vorhanden, das Essen miserabel oder die Sportmöglichkeiten schlichtweg nicht vorhanden sind, stehen Sie gegenüber Ihrem Reiseveranstalter nicht schutzlos da. Es liegt dann ein Mangel der Reise vor. Auch eine erhebliche Änderung der zuvor vereinbarten Flugzeiten müssen Sie nicht ersatzlos hinnehmen. Sie können in diesen Fällen aufgrund der Mängel den Reisepreis nach § 651 d BGB mindern und das zu viel gezahlte Geld zurückverlangen. Eventuell stehen Ihnen zudem auch Schadensersatzansprüche zu.

 

Reine Unannehmlichkeiten sind hinzunehmen

Reine Unannehmlichkeit müssen Sie jedoch hinnehmen. Wenn zum Beispiel das Flugzeug beim Flug in den Urlaub aufgrund von Turbulenzen unruhig fliegt, liegt lediglich eine Unannehmlichkeit vor. Auch wenn kurzzeitig im Hotel für wenige Minuten kein frisches Wasser aus den Leitungen kommt, müssen Sie dies ersatzlos hinnehmen. Etwas anderes gilt natürlich dann, wenn Sie morgens nicht duschen konnten und Sie daher Ihren Tagesausflug nicht genießen konnten.

Wenn ganze Tage oder gar die komplette Reise derart mit Mängeln belastet ist, dass diese Tage nicht als Urlaubszeit genossen werden konnten, haben Sie gegenüber Ihrem Reiseveranstalter einen Schadensersatzanspruch wegen unnütz aufgebrachter Urlaubszeit.

Wenn die vorhandenen Mängel so gravierend sind, dass diese zu einer 50%igen Reisepreisminderung berechtigen würden, können Sie nach § 651 e BGB von der Reise zurücktreten und die Rückbeförderung verlangen.

 

Voraussetzung für die Geltendmachung von Ansprüchen

Voraussetzung für die Geltendmachung dieser Ansprüche ist aber immer, dass Sie die Mängel Ihrem Reiseveranstalter gegenüber unverzüglich anzeigen. Wenden Sie sich beim Vorliegen eines Mangels direkt an den vor Ort befindlichen Reiseleiter. Teilen Sie ihm den Mangel mit und bitten Sie ausdrücklich um Abhilfe. Wenn also Ihr Zimmer unbewohnbar ist, bitten Sie um ein bewohnbares Zimmer, das die im Katalog aufgezählten Eigenschaften hat. Lassen Sie sich diese Mängelanzeige schriftlich bestätigen. Wenn Ihr Reiseleiter eine schriftliche Bestätigung verweigert, notieren Sie sich Zeit und Datum und mit wem Sie gesprochen haben. Sollte kein Reiseleiter vor Ort sein, wenden Sie sich telefonisch an die Zentrale Ihres Reiseveranstalters. Oft wird auch bei Reiseantritt die Handynummer Ihres Reiseleiters ausgegeben. Beachten Sie bitte, dass Sie sich immer an Ihren Reiseleiter oder Ihren Reiseveranstalter wenden müssen. Eine Mängelanzeige lediglich beim Hotelpersonal ist nicht ausreichend.

Sofern Sie die Möglichkeit dazu haben, sollten Sie die vorhandenen Mängel fotografieren oder anderweitig Belege sichern, um das Vorhandensein der Mängel später beweisen zu können. Gerne bestreiten die Reiseveranstalter nach der Reise, dass überhaupt ein Mangel vorlag. Hilfreich ist es auch, wenn Sie sich Name und Anschrift von Mitreisenden notieren, um diese später gegebenenfalls als Zeugen benennen zu können.

 

Ausschlussfrist – Ein Monat nach Reiseende

Wenn Sie nach der Reise wieder zu Hause sind, haben Sie noch genau einen Monat Zeit, die Mängel anzuzeigen und dem Reiseveranstalter Ihre Reisepreisminderung bekannt zu geben. Wenn Sie diese Frist ungenutzt verstreichen lassen, muss der Reiseveranstalter Ihren Forderungen nicht nachkommen. Um zu belegen, dass Sie die Frist eingehalten haben, empfiehlt es sich, die Mängelanzeige und die Erklärung der Reisepreisminderung per Einschreiben zu versenden.

Wie stark Sie den Reisepreis mindern können, hängt von dem bei Ihnen vorliegenden Einzelfall ab. Jeder einzelne Mangel muss nach seiner Schwere bewertet werden, was für den Reisenden oft schwierig ist. Als auf das Reiserecht spezialisierter Anwalt kann ich Ihnen hierbei behilflich sein und Ihnen meine Einschätzung mitteilen, in welche Höhe Sie den Reisepreis mindern können.

Die Rechtsprechung hat im Laufe der Jahre Kriterien entwickelt und zahlreiche Mängel bewertet. Eine erste Hilfe kann die sogenannte Frankfurter Tabelle geben. In dieser sind einzelne Mängel aufgelistet. Zu jedem Mangel gibt es eine Angabe, in welcher Höhe er eine Reisepreisminderung rechtfertigt. Beachten Sie aber, dass es immer auf den Einzelfall ankommt und ein Gericht in Ihrem ganz speziellen Fall anders entscheiden kann. Gerichte sind an die Angaben in der Frankfurter Tabelle nicht gebunden,  nehmen diese aber oft als Grundlage für Ihre eigene Entscheidung.

Die Frankfurter Tabelle zur Reisepreisminderung finden Sie auf dieser Seite ganz unten oder hier zum Download: Frankfurter Tabelle

 

Mögliche Problemfelder bei Pauschalreisen:

– Reisemängel
– Anzeige von Reisemängeln beim Reiseveranstalter
– Reisepreisminderung wegen Mängeln
– Mängel an Hotel, Unterkunft, Essen
– Mängel aufgrund von Ungezieferbefall
– Mängel bei Transfers

– Reise wurde nicht wie vereinbart durchgeführt
– Haftung des Reiseveranstalters für Angaben im Prospekt
– Mängel am Flug und weiteren Beförderungen
– Schadensersatz wegen Körperverletzung
– Reiserücktrittsversicherung
– Schadensersatz wegen unnütz aufgebrachter Urlaubszeit

– Überbuchung des Hotels
– Fehlen eines Reiseleiters
– kein deutschsprachiger Reiseleiter vor Ort
– Mängel an den Sport- und Unterhaltungsmöglichkeiten des Hotels
– Kündigung des Reisevertrages vor und während der Reise
– Stornokosten
– Sicherungsschein

– Änderung der Flugzeiten
– Änderung der Fluggesellschaft
– nachträglich erhobene Gebühren (Visa-Service-Gebühr in Ägypten, etc.)
– Gepäck traf erst verspätet ein
– nachträgliche Erhöhung des Reisepreises

 


 

Die Reiserechtlichen Regelungen im Bürgerlichen Gesetzbuch:

 

§ 651a Vertragstypische Pflichten beim Reisevertrag

(1) Durch den Reisevertrag wird der Reiseveranstalter verpflichtet, dem Reisenden eine Gesamtheit von Reiseleistungen (Reise) zu erbringen. Der Reisende ist verpflichtet, dem Reiseveranstalter den vereinbarten Reisepreis zu zahlen.

(2) Die Erklärung, nur Verträge mit den Personen zu vermitteln, welche die einzelnen Reiseleistungen ausführen sollen (Leistungsträger), bleibt unberücksichtigt, wenn nach den sonstigen Umständen der Anschein begründet wird, dass der Erklärende vertraglich vorgesehene Reiseleistungen in eigener Verantwortung erbringt.

(3) Der Reiseveranstalter hat dem Reisenden bei oder unverzüglich nach Vertragsschluss eine Urkunde über den Reisevertrag (Reisebestätigung) zur Verfügung zu stellen. Die Reisebestätigung und ein Prospekt, den der Reiseveranstalter zur Verfügung stellt, müssen die in der Rechtsverordnung nach Artikel 238 des Einführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuche bestimmten Angaben enthalten.

(4) Der Reiseveranstalter kann den Reisepreis nur erhöhen, wenn dies mit genauen Angaben zur Berechnung des neuen Preises im Vertrag vorgesehen ist und damit einer Erhöhung der Beförderungskosten, der Abgaben für bestimmte Leistungen, wie Hafen- oder Flughafengebühren, oder einer Änderung der für die betreffende Reise geltenden Wechselkurse Rechnung getragen wird. Eine Preiserhöhung, die ab dem 20. Tage vor dem vereinbarten Abreisetermin verlangt wird, ist unwirksam. § 309 Nr. 1 bleibt unberührt.

(5) Der Reiseveranstalter hat eine Änderung des Reisepreises nach Absatz 4, eine zulässige Änderung einer wesentlichen Reiseleistung oder eine zulässige Absage der Reise dem Reisenden unverzüglich nach Kenntnis von dem Änderungs- oder Absagegrund zu erklären. Im Falle einer Erhöhung des Reisepreises um mehr als fünf vom Hundert oder einer erheblichen Änderung einer wesentlichen Reiseleistung kann der Reisende vom Vertrag zurücktreten. Er kann stattdessen, ebenso wie bei einer Absage der Reise durch den Reiseveranstalter, die Teilnahme an einer mindestens gleichwertigen anderen Reise verlangen, wenn der Reiseveranstalter in der Lage ist, eine solche Reise ohne Mehrpreis für den Reisenden aus seinem Angebot anzubieten. Der Reisende hat diese Rechte unverzüglich nach der Erklärung durch den Reiseveranstalter diesem gegenüber geltend zu machen.

 

§ 651b Vertragsübertragung

(1) Bis zum Reisebeginn kann der Reisende verlangen, dass statt seiner ein Dritter in die Rechte und Pflichten aus dem Reisevertrag eintritt. Der Reiseveranstalter kann dem Eintritt des Dritten widersprechen, wenn dieser den besonderen Reiseerfordernissen nicht genügt oder seiner Teilnahme gesetzliche Vorschriften oder behördliche Anordnungen entgegenstehen.

(2) Tritt ein Dritter in den Vertrag ein, so haften er und der Reisende dem Reiseveranstalter als Gesamtschuldner für den Reisepreis und die durch den Eintritt des Dritten entstehenden Mehrkosten.

 

§ 651c Abhilfe

(1) Der Reiseveranstalter ist verpflichtet, die Reise so zu erbringen, dass sie die zugesicherten Eigenschaften hat und nicht mit Fehlern behaftet ist, die den Wert oder die Tauglichkeit zu dem gewöhnlichen oder nach dem Vertrag vorausgesetzten Nutzen aufheben oder mindern.

(2) Ist die Reise nicht von dieser Beschaffenheit, so kann der Reisende Abhilfe verlangen. Der Reiseveranstalter kann die Abhilfe verweigern, wenn sie einen unverhältnismäßigen Aufwand erfordert.

(3) Leistet der Reiseveranstalter nicht innerhalb einer vom Reisenden bestimmten angemessenen Frist Abhilfe, so kann der Reisende selbst Abhilfe schaffen und Ersatz der erforderlichen Aufwendungen verlangen. Der Bestimmung einer Frist bedarf es nicht, wenn die Abhilfe von dem Reiseveranstalter verweigert wird oder wenn die sofortige Abhilfe durch ein besonderes Interesse des Reisenden geboten wird.

 

§ 651d Minderung

(1) Ist die Reise im Sinne des § 651c Abs. 1 mangelhaft, so mindert sich für die Dauer des Mangels der Reisepreis nach Maßgabe des § 638 Abs. 3. § 638 Abs. 4 findet entsprechende Anwendung.

(2) Die Minderung tritt nicht ein, soweit es der Reisende schuldhaft unterlässt, den Mangel anzuzeigen.
§ 651e Kündigung wegen Mangels
(1) Wird die Reise infolge eines Mangels der in § 651c bezeichneten Art erheblich beeinträchtigt, so kann der Reisende den Vertrag kündigen. Dasselbe gilt, wenn ihm die Reise infolge eines solchen Mangels aus wichtigem, dem Reiseveranstalter erkennbaren Grund nicht zuzumuten ist.

(2) Die Kündigung ist erst zulässig, wenn der Reiseveranstalter eine ihm vom Reisenden bestimmte angemessene Frist hat verstreichen lassen, ohne Abhilfe zu leisten. Der Bestimmung einer Frist bedarf es nicht, wenn die Abhilfe unmöglich ist oder vom Reiseveranstalter verweigert wird oder wenn die sofortige Kündigung des Vertrags durch ein besonderes Interesse des Reisenden gerechtfertigt wird.

(3) Wird der Vertrag gekündigt, so verliert der Reiseveranstalter den Anspruch auf den vereinbarten Reisepreis. Er kann jedoch für die bereits erbrachten oder zur Beendigung der Reise noch zu erbringenden Reiseleistungen eine nach § 638 Abs. 3 zu bemessende Entschädigung verlangen. Dies gilt nicht, soweit diese Leistungen infolge der Aufhebung des Vertrags für den Reisenden kein Interesse haben.

(4) Der Reiseveranstalter ist verpflichtet, die infolge der Aufhebung des Vertrags notwendigen Maßnahmen zu treffen, insbesondere, falls der Vertrag die Rückbeförderung umfasste, den Reisenden zurückzubefördern. Die Mehrkosten fallen dem Reiseveranstalter zur Last.

 

§ 651f Schadensersatz

(1) Der Reisende kann unbeschadet der Minderung oder der Kündigung Schadensersatz wegen Nichterfüllung verlangen, es sei denn, der Mangel der Reise beruht auf einem Umstand, den der Reiseveranstalter nicht zu vertreten hat.

(2) Wird die Reise vereitelt oder erheblich beeinträchtigt, so kann der Reisende auch wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit eine angemessene Entschädigung in Geld verlangen.

 

§ 651g Ausschlussfrist, Verjährung

(1) Ansprüche nach den §§ 651c bis 651f hat der Reisende innerhalb eines Monats nach der vertraglich vorgesehenen Beendigung der Reise gegenüber dem Reiseveranstalter geltend zu machen. § 174 ist nicht anzuwenden. Nach Ablauf der Frist kann der Reisende Ansprüche nur geltend machen, wenn er ohne Verschulden an der Einhaltung der Frist verhindert worden ist.

(2) Ansprüche des Reisenden nach den §§ 651c bis 651f verjähren in zwei Jahren. Die Verjährung beginnt mit dem Tage, an dem die Reise dem Vertrag nach enden sollte.

 

§ 651h Zulässige Haftungsbeschränkung

(1) Der Reiseveranstalter kann durch Vereinbarung mit dem Reisenden seine Haftung für Schäden, die nicht Körperschäden sind, auf den dreifachen Reisepreis beschränken,
1. soweit ein Schaden des Reisenden weder vorsätzlich noch grob fahrlässig herbeigeführt wird oder
2. soweit der Reiseveranstalter für einen dem Reisenden entstehenden Schaden allein wegen eines Verschuldens eines Leistungsträgers verantwortlich ist.

(2) Gelten für eine von einem Leistungsträger zu erbringende Reiseleistung internationale Übereinkommen oder auf solchen beruhende gesetzliche Vorschriften, nach denen ein Anspruch auf Schadensersatz nur unter bestimmten Voraussetzungen oder Beschränkungen entsteht oder geltend gemacht werden kann oder unter bestimmten Voraussetzungen ausgeschlossen ist, so kann sich auch der Reiseveranstalter gegenüber dem Reisenden hierauf berufen.

 

§ 651i Rücktritt vor Reisebeginn

(1) Vor Reisebeginn kann der Reisende jederzeit vom Vertrag zurücktreten.

(2) Tritt der Reisende vom Vertrag zurück, so verliert der Reiseveranstalter den Anspruch auf den vereinbarten Reisepreis. Er kann jedoch eine angemessene Entschädigung verlangen. Die Höhe der Entschädigung bestimmt sich nach dem Reisepreis unter Abzug des Wertes der vom Reiseveranstalter ersparten Aufwendungen sowie dessen, was er durch anderweitige Verwendung der Reiseleistungen erwerben kann.

(3) Im Vertrag kann für jede Reiseart unter Berücksichtigung der gewöhnlich ersparten Aufwendungen und des durch anderweitige Verwendung der Reiseleistungen gewöhnlich möglichen Erwerbs ein Vomhundertsatz des Reisepreises als Entschädigung festgesetzt werden.

 

§ 651j Kündigung wegen höherer Gewalt

(1) Wird die Reise infolge bei Vertragsabschluss nicht voraussehbarer höherer Gewalt erheblich erschwert, gefährdet oder beeinträchtigt, so können sowohl der Reiseveranstalter als auch der Reisende den Vertrag allein nach Maßgabe dieser Vorschrift kündigen.

(2) Wird der Vertrag nach Absatz 1 gekündigt, so findet die Vorschrift des § 651e Abs. 3 Satz 1 und 2, Abs. 4 Satz 1 Anwendung. Die Mehrkosten für die Rückbeförderung sind von den Parteien je zur Hälfte zu tragen. Im Übrigen fallen die Mehrkosten dem Reisenden zur Last.

 

§ 651k Sicherstellung, Zahlung

(1) Der Reiseveranstalter hat sicherzustellen, dass dem Reisenden erstattet werden
1. der gezahlte Reisepreis, soweit Reiseleistungen infolge Zahlungsunfähigkeit oder Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen des Reiseveranstalters ausfallen, und
2. notwendige Aufwendungen, die dem Reisenden infolge Zahlungsunfähigkeit oder Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen des Reiseveranstalters für die Rückreise entstehen.
Die Verpflichtungen nach Satz 1 kann der Reiseveranstalter nur erfüllen
1. durch eine Versicherung bei einem im Geltungsbereich dieses Gesetzes zum Geschäftsbetrieb befugten Versicherungsunternehmen oder
2. durch ein Zahlungsversprechen eines im Geltungsbereich dieses Gesetzes zum Geschäftsbetrieb befugten Kreditinstituts.

(2) Der Versicherer oder das Kreditinstitut (Kundengeldabsicherer) kann seine Haftung für die von ihm in einem Jahre insgesamt nach diesem Gesetz zu erstattenden Beträge auf 110 Millionen Euro begrenzen. Übersteigen die in einem Jahr von einem Kundengeldabsicherer insgesamt nach diesem Gesetz zu erstattenden Beträge die in Satz 1 genannten Höchstbeträge, so verringern sich die einzelnen Erstattungsansprüche in dem Verhältnis, in dem ihr Gesamtbetrag zum Höchstbetrag steht.

(3) Zur Erfüllung seiner Verpflichtung nach Absatz 1 hat der Reiseveranstalter dem Reisenden einen unmittelbaren Anspruch gegen den Kundengeldabsicherer zu verschaffen und durch Übergabe einer von diesem oder auf dessen Veranlassung ausgestellten Bestätigung (Sicherungsschein) nachzuweisen. Der Kundengeldabsicherer kann sich gegenüber einem Reisenden, dem ein Sicherungsschein ausgehändigt worden ist, weder auf Einwendungen aus dem Kundengeldabsicherungsvertrag noch darauf berufen, dass der Sicherungsschein erst nach Beendigung des Kundengeldabsicherungsvertrags ausgestellt worden ist. In den Fällen des Satzes 2 geht der Anspruch des Reisenden gegen den Reiseveranstalter auf den Kundengeldabsicherer über, soweit dieser den Reisenden befriedigt. Ein Reisevermittler ist dem Reisenden gegenüber verpflichtet, den Sicherungsschein auf seine Gültigkeit hin zu überprüfen, wenn er ihn dem Reisenden aushändigt.

(4) Reiseveranstalter und Reisevermittler dürfen Zahlungen des Reisenden auf den Reisepreis vor Beendigung der Reise nur fordern oder annehmen, wenn dem Reisenden ein Sicherungsschein übergeben wurde. Ein Reisevermittler gilt als vom Reiseveranstalter zur Annahme von Zahlungen auf den Reisepreis ermächtigt, wenn er einen Sicherungsschein übergibt oder sonstige dem Reiseveranstalter zuzurechnende Umstände ergeben, dass er von diesem damit betraut ist, Reiseverträge für ihn zu vermitteln. Dies gilt nicht, wenn die Annahme von Zahlungen durch den Reisevermittler in hervorgehobener Form gegenüber dem Reisenden ausgeschlossen ist.

(5) Hat im Zeitpunkt des Vertragsschlusses der Reiseveranstalter seine Hauptniederlassung in einem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Gemeinschaften oder in einem anderen Vertragsstaat des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum, so genügt der Reiseveranstalter seiner Verpflichtung nach Absatz 1 auch dann, wenn er dem Reisenden Sicherheit in Übereinstimmung mit den Vorschriften des anderen Staates leistet und diese den Anforderungen nach Absatz 1 Satz 1 entspricht. Absatz 4 gilt mit der Maßgabe, dass dem Reisenden die Sicherheitsleistung nachgewiesen werden muss.

(6) Die Absätze 1 bis 5 gelten nicht, wenn
1. der Reiseveranstalter nur gelegentlich und außerhalb seiner gewerblichen Tätigkeit Reisen veranstaltet,
2. die Reise nicht länger als 24 Stunden dauert, keine Übernachtung einschließt und der Reisepreis 75 Euro nicht übersteigt,
3. der Reiseveranstalter eine juristische Person des öffentlichen Rechts ist, über deren Vermögen ein Insolvenzverfahren unzulässig ist.

 

§ 651l Gastschulaufenthalte

(1) Für einen Reisevertrag, der einen mindestens drei Monate andauernden und mit dem geregelten Besuch einer Schule verbundenen Aufenthalt des Gastschülers bei einer Gastfamilie in einem anderen Staat (Aufnahmeland) zum Gegenstand hat, gelten die nachfolgenden Vorschriften. Für einen Reisevertrag, der einen kürzeren Gastschulaufenthalt (Satz 1) oder einen mit der geregelten Durchführung eines Praktikums verbundenen Aufenthalt bei einer Gastfamilie im Aufnahmeland zum Gegenstand hat, gelten sie nur, wenn dies vereinbart ist.

(2) Der Reiseveranstalter ist verpflichtet,
1. für eine bei Mitwirkung des Gastschülers und nach den Verhältnissen des Aufnahmelands angemessene Unterbringung, Beaufsichtigung und Betreuung des Gastschülers in einer Gastfamilie zu sorgen und
2. die Voraussetzungen für einen geregelten Schulbesuch des Gastschülers im Aufnahmeland zu schaffen.

(3) Tritt der Reisende vor Reisebeginn zurück, findet § 651i Abs. 2 Satz 2 und 3 und Abs. 3 keine Anwendung, wenn der Reiseveranstalter ihn nicht spätestens zwei Wochen vor Antritt der Reise jedenfalls über
1. Namen und Anschrift der für den Gastschüler nach Ankunft bestimmten Gastfamilie und
2. Namen und Erreichbarkeit eines Ansprechpartners im Aufnahmeland, bei dem auch Abhilfe verlangt werden kann,
informiert und auf den Aufenthalt angemessen vorbereitet hat.

(4) Der Reisende kann den Vertrag bis zur Beendigung der Reise jederzeit kündigen. Kündigt der Reisende, so ist der Reiseveranstalter berechtigt, den vereinbarten Reisepreis abzüglich der ersparten Aufwendungen zu verlangen. Er ist verpflichtet, die infolge der Kündigung notwendigen Maßnahmen zu treffen, insbesondere, falls der Vertrag die Rückbeförderung umfasste, den Gastschüler zurückzubefördern. Die Mehrkosten fallen dem Reisenden zur Last. Die vorstehenden Sätze gelten nicht, wenn der Reisende nach § 651e oder § 651j kündigen kann.

 

§ 651m Abweichende Vereinbarungen

Von den Vorschriften der §§ 651a bis 651l kann vorbehaltlich des Satzes 2 nicht zum Nachteil des Reisenden abgewichen werden. Die in § 651g Abs. 2 bestimmte Verjährung kann erleichtert werden, vor Mitteilung eines Mangels an den Reiseveranstalter jedoch nicht, wenn die Vereinbarung zu einer Verjährungsfrist ab dem in § 651g Abs. 2 Satz 2 bestimmten Verjährungsbeginn von weniger als einem Jahr führt.


 

Frankfurter Tabelle

Die Tabelle wurde von der 24. Zivilkammer des LG Frankurt/M unter VRiLG Dr. Tempel entwickelt und in NJW 1985, 113 und NJW 1994, 1639 veröffentlicht. Sie gibt einen ersten Anhaltspunkt über die mögliche Höhe einer Reisepreisminderung.

Beachten Sie dass es bezüglich der Höhe Ihrer Reisepreisminderung auf Ihren individuellen Einzelfall ankommt. Ich berate Sie gerne und teile Ihnen meine Einschätzung mit.

Mängel an der Unterkunft:

Abweichung vom gebuchten Objekt

0 - 25%
25%

Abweichende örtliche Lage (Strandentfernung)

5 - 15%
15%

Abweichende Art der Unterbringung im gebuchten Hotel (Hotel statt Bungalow, abweichendes Stockwerk)

5 - 10%
10%

Doppelzimmer statt Einzelzimmer

20%
20%

Dreibettzimmer statt Einzelzimmer

25%
25%

Dreibettzimmer statt Doppelzimmer

20 - 25%
25%

Vierbettzimmer statt Doppelzimmer

20 - 30%
30%

zu kleine Fläche des Zimmers

5 - 10%
10%

fehlender Balkon
(bei Zusage / je nach Jahreszeit)

5 - 10%
10%

fehlender Meerblick
(bei Zusage)

5 - 10%
10%

fehlendes (eigenes) Bad/WC
(bei Buchung)

15 - 25%
25%

fehlendes (eigenes) WC

15%
15%

fehlende (eigene) Dusche

10%
10%

fehlende Klimaanlage
(bei Zusage / je nach Jahreszeit)

10 - 20%
20%

fehlendes Radio/TV
(bei Zusage)

5%
5%

zu geringes Mobiliar

5 - 15%
15%

Schäden (Risse, Feuchtigkeit etc.)

10 - 50%
50%

Ungeziefer

10 - 50%
50%

Ausfall von Toilette

15%
15%

Ausfall von Bad/Warmwasserboiler

15%
15%

Stromausfall / Gasausfall

10 - 20%
20%

Ausfall von Wasser

10%
10%

Ausfall von Klimaanlage
(je nach Jahreszeit)

10 - 20%
20%

Ausfall von Fahrstuhl
(je nach Stockwerk)

5 - 10%
10%

vollkommener Ausfall des Service

25%
25%

schlechte Reinigung

10 - 20%
20%

ungenügender Wäschewechsel (Bettwäsche, Handtücher)

5 - 10%
10%

Lärm am Tage

5 - 25%
25%

Lärm in der Nacht

10 - 40%
40%

Beeinträchtigung durch Gerüche

5 - 15%
15%

Fehlen der (zugesagten) Kureinrichtungen (Thermalbad, Massagen)

20 - 40%
40%
Verpflegung:

Vollkommener Ausfall

50%
50%

eintöniger Speisenzettel

5%
5%

nicht genügend warme Speisen

10%
10%

verdorbene (ungenießbare) Speisen

20 - 30%
30%

Selbstbedienung (statt Kellner)

10 - 15%
15%

lange Wartezeiten

5 - 10%
10%

Essen in Schichten

10%

verschmutzte Tische

5 - 10%
10%

verschmutztes Geschirr, Besteck

10 - 15%
15%

Fehlende Klimaanlage im Speisesaal
(bei Zusage)

5 - 10%
10%
Sonstiges:

Fehlender oder verschmutzter Swimmingpool

10 - 20%
20%

Fehlendes Hallenbad
(bei Zusage und vorhandenem Swimmingpool)

10%
10%

Fehlendes Hallenbad
(bei Zusage und nicht vorhandenem Swimmingpool)

20%
20%

Fehlende Sauna
(bei Zusage)

5%
5%

Fehlender Tennisplatz
(bei Zusage)

5 - 10%
10%

Fehlendes Minigolf
(bei Zusage)

3 - 5%
5%

Fehlende Segel-, Surf-, Tauchschule
(bei Zusage)

5 - 10%
10%

Fehlende Möglichkeit zum Reiten
(bei Zusage)

5 - 10%
10%

Fehlende Kinderbetreuung
(bei Zusage)

5 - 10%
10%

Unmöglichkeit des Badens im Meer
(je nach Prospekt-beschreibung und zumutbarer Ausweichmöglichkeit)

10 - 20%
20%

Verschmutzter Strand

10 - 20%
20%

Fehlende Strandliegen, Sonnenschirme
(bei Zusage)

5 - 10%
10%

Fehlende Snack- oder Strandbar
(je nach Ersatzmöglichkeit)

0 - 5%
5%

Fehlender FKK-Strand
(bei Zusage)

10 - 20%
20%

Fehlendes Restaurant oder Supermarkt bei Hotelverpflegung
(bei Zusage / je nach Ausweichmöglichkeit)

0 - 5%
5%

Fehlendes Restaurant oder Supermarkt bei Selbstverpflegung
(bei Zusage / je nach Ausweichmöglichkeit)

10 - 20%
20%

Fehlende Vergnügungseinrichtungen (Disco, Nightclub, Kino, Animateure)
(bei Zusage)

5 - 15%
15%

Fehlende Boutique oder Ladenstraße
(je nach Ausweichmöglichkeit)

0 - 5%
5%

Ausfall von Landausflügen bei Kreuzfahrten
(berechnet auf den anteiligen Reisepreis je Tag des Landausflugs)

20 - 30%
30%

Fehlende Reiseleitung bei bloßer Organisation

0 - 5%
5%

Fehlende Reiseleitung bei Besichtigungsreisen

10 - 20%
20%

Fehlende Reiseleitung bei Studienreisen mit wissenschaftlicher Führung
(bei Zusage)

20 - 30%
30%
Transport:

Zeitlich verschobener Abflug über vier Stunden hinaus
(berechnet auf den anteiligen Reisepreise für einen Tag für jede weitere Stunde)

5%
5%

niedrigere Klasse

10 - 15%
15%

erhebliche Abweichung vom normalen Standard

5 - 10%
10%

Verpflegung

5%
5%

Fehlen der in der Flugklasse üblichen Unterhaltung (Radio, Film, etc.)

5%
5%