Pauschalreiserecht

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Die Freude auf eine gebuchte Pauschalreise ist meist groß. Gerne werben die Reiseveranstalter mit ausgezeichneten Hotels und Traumstränden.

Vor Ort angekommen kann sich aber schnell ein anderes Bild ergeben. Wenn sich das im Prospekt vollmundig als 5-Sterne-Luxushotel mit direkter Strandlage angepriesene Hotel als 2-Sterne-Hotel in einer Seitenstraße weit weg vom Strand entpuppt oder der Pool dank Algenplage unbenutzbar ist, kann die Freude am Urlaub schnell dahin sein.

Auch wenn die bei der Buchung vereinbarten Flugzeiten am Nachmittag durch den Reiseveranstalter auf den frühen Morgen verlegt werden, können erhebliche Belastungen auf den Reisenden zukommen, welche die Reise stark beeinträchtigen.

Reiseveranstalter sind an die im Katalog gemachten Angaben zum Hotel gebunden. Wenn sich vor Ort herausstellt, dass die Zimmer kleiner, der Pool nicht vorhanden, das Essen miserabel oder die Sportmöglichkeiten schlichtweg nicht vorhanden sind, stehen Sie gegenüber Ihrem Reiseveranstalter nicht schutzlos da. Es liegt dann ein Mangel der Reise vor. Auch eine erhebliche Änderung der zuvor vereinbarten Flugzeiten müssen Sie nicht ersatzlos hinnehmen. Sie können in diesen Fällen aufgrund der Mängel den Reisepreis nach § 651 d BGB mindern und das zu viel gezahlte Geld zurückverlangen. Eventuell stehen Ihnen zudem auch Schadensersatzansprüche zu.

 

Reine Unannehmlichkeiten sind hinzunehmen

Reine Unannehmlichkeit müssen Sie jedoch hinnehmen. Wenn zum Beispiel das Flugzeug beim Flug in den Urlaub aufgrund von Turbulenzen unruhig fliegt, liegt lediglich eine Unannehmlichkeit vor. Auch wenn kurzzeitig im Hotel für wenige Minuten kein frisches Wasser aus den Leitungen kommt, müssen Sie dies ersatzlos hinnehmen. Etwas anderes gilt natürlich dann, wenn Sie morgens nicht duschen konnten und Sie daher Ihren Tagesausflug nicht genießen konnten.

Wenn ganze Tage oder gar die komplette Reise derart mit Mängeln belastet ist, dass diese Tage nicht als Urlaubszeit genossen werden konnten, haben Sie gegenüber Ihrem Reiseveranstalter einen Schadensersatzanspruch wegen unnütz aufgebrachter Urlaubszeit.

Wenn die vorhandenen Mängel so gravierend sind, dass diese zu einer 50%igen Reisepreisminderung berechtigen würden, können Sie nach § 651 e BGB von der Reise zurücktreten und die Rückbeförderung verlangen.

 

Voraussetzung für die Geltendmachung von Ansprüchen

Voraussetzung für die Geltendmachung dieser Ansprüche ist aber immer, dass Sie die Mängel Ihrem Reiseveranstalter gegenüber unverzüglich anzeigen. Wenden Sie sich beim Vorliegen eines Mangels direkt an den vor Ort befindlichen Reiseleiter. Teilen Sie ihm den Mangel mit und bitten Sie ausdrücklich um Abhilfe. Wenn also Ihr Zimmer unbewohnbar ist, bitten Sie um ein bewohnbares Zimmer, das die im Katalog aufgezählten Eigenschaften hat. Lassen Sie sich diese Mängelanzeige schriftlich bestätigen. Wenn Ihr Reiseleiter eine schriftliche Bestätigung verweigert, notieren Sie sich Zeit und Datum und mit wem Sie gesprochen haben. Sollte kein Reiseleiter vor Ort sein, wenden Sie sich telefonisch an die Zentrale Ihres Reiseveranstalters. Oft wird auch bei Reiseantritt die Handynummer Ihres Reiseleiters ausgegeben. Beachten Sie bitte, dass Sie sich immer an Ihren Reiseleiter oder Ihren Reiseveranstalter wenden müssen. Eine Mängelanzeige lediglich beim Hotelpersonal ist nicht ausreichend.

Sofern Sie die Möglichkeit dazu haben, sollten Sie die vorhandenen Mängel fotografieren oder anderweitig Belege sichern, um das Vorhandensein der Mängel später beweisen zu können. Gerne bestreiten die Reiseveranstalter nach der Reise, dass überhaupt ein Mangel vorlag. Hilfreich ist es auch, wenn Sie sich Name und Anschrift von Mitreisenden notieren, um diese später gegebenenfalls als Zeugen benennen zu können.

 

Reisepreisminderung

Wie stark Sie den Reisepreis beim Vorliegen von Reisemängeln mindern können, hängt von dem bei Ihnen vorliegenden Einzelfall ab. Jeder einzelne Mangel muss nach seiner Schwere bewertet werden, was für den Reisenden oft schwierig ist. Als auf das Reiserecht spezialisierter Anwalt kann ich Ihnen hierbei behilflich sein und Ihnen meine Einschätzung mitteilen, in welche Höhe Sie den Reisepreis mindern können.

Die Rechtsprechung hat im Laufe der Jahre Kriterien entwickelt und zahlreiche Mängel bewertet. Eine erste Hilfe können die sogenannte Frankfurter Tabelle, die Kemptner Reisemängeltabelle und auch die ADAC-Tabelle zur Preisminderung bei Reisemängeln geben. In dieser sind einzelne Mängel aufgelistet. Zu jedem Mangel gibt es eine Angabe, in welcher Höhe er eine Reisepreisminderung rechtfertigt. Beachten Sie aber, dass es immer auf den Einzelfall ankommt und ein Gericht in Ihrem ganz speziellen Fall anders entscheiden kann. Gerichte sind an die Angaben in den Tabellen nicht gebunden,  nehmen diese aber oft als Grundlage für Ihre eigene Entscheidung.

Die Frankfurter Tabelle zur Reisepreisminderung finden Sie auf dieser Seite ganz unten.

 

Mögliche Problemfelder bei Pauschalreisen:

– Reisemängel
– Anzeige von Reisemängeln beim Reiseveranstalter
– Reisepreisminderung wegen Mängeln
– Mängel an Hotel, Unterkunft, Essen
– Mängel aufgrund von Ungezieferbefall
– Mängel bei Transfers

– Reise wurde nicht wie vereinbart durchgeführt
– Haftung des Reiseveranstalters für Angaben im Prospekt
– Mängel am Flug und weiteren Beförderungen
– Gepäck traf erst verspätet ein
– Schadensersatz wegen unnütz aufgebrachter Urlaubszeit
– Überbuchung des Hotels

– Fehlen eines Reiseleiters
– kein deutschsprachiger Reiseleiter vor Ort
– Mängel an den Sport- und Unterhaltungsmöglichkeiten des Hotels
– Kündigung des Reisevertrages vor und während der Reise
– Stornokosten

– Änderung der Flugzeiten
– Änderung der Fluggesellschaft
– Sicherungsschein
– nachträglich erhobene Gebühren (Visa-Service-Gebühr in Ägypten, etc.)
– nachträgliche Erhöhung des Reisepreises

 

Frankfurter Tabelle

Die Tabelle wurde von der 24. Zivilkammer des LG Frankurt/M unter VRiLG Dr. Tempel entwickelt und in NJW 1985, 113 und NJW 1994, 1639 veröffentlicht. Sie gibt einen ersten Anhaltspunkt über die mögliche Höhe einer Reisepreisminderung.

Beachten Sie dass es bezüglich der Höhe Ihrer Reisepreisminderung auf Ihren individuellen Einzelfall ankommt. Ich berate Sie gerne und teile Ihnen meine Einschätzung mit.

Mängel an der Unterkunft:

Abweichung vom gebuchten Objekt

0 - 25%
25%

Abweichende örtliche Lage (Strandentfernung)

5 - 15%
15%

Abweichende Art der Unterbringung im gebuchten Hotel (Hotel statt Bungalow, abweichendes Stockwerk)

5 - 10%
10%

Doppelzimmer statt Einzelzimmer

20%
20%

Dreibettzimmer statt Einzelzimmer

25%
25%

Dreibettzimmer statt Doppelzimmer

20 - 25%
25%

Vierbettzimmer statt Doppelzimmer

20 - 30%
30%

zu kleine Fläche des Zimmers

5 - 10%
10%

fehlender Balkon
(bei Zusage / je nach Jahreszeit)

5 - 10%
10%

fehlender Meerblick
(bei Zusage)

5 - 10%
10%

fehlendes (eigenes) Bad/WC
(bei Buchung)

15 - 25%
25%

fehlendes (eigenes) WC

15%
15%

fehlende (eigene) Dusche

10%
10%

fehlende Klimaanlage
(bei Zusage / je nach Jahreszeit)

10 - 20%
20%

fehlendes Radio/TV
(bei Zusage)

5%
5%

zu geringes Mobiliar

5 - 15%
15%

Schäden (Risse, Feuchtigkeit etc.)

10 - 50%
50%

Ungeziefer

10 - 50%
50%

Ausfall von Toilette

15%
15%

Ausfall von Bad/Warmwasserboiler

15%
15%

Stromausfall / Gasausfall

10 - 20%
20%

Ausfall von Wasser

10%
10%

Ausfall von Klimaanlage
(je nach Jahreszeit)

10 - 20%
20%

Ausfall von Fahrstuhl
(je nach Stockwerk)

5 - 10%
10%

vollkommener Ausfall des Service

25%
25%

schlechte Reinigung

10 - 20%
20%

ungenügender Wäschewechsel (Bettwäsche, Handtücher)

5 - 10%
10%

Lärm am Tage

5 - 25%
25%

Lärm in der Nacht

10 - 40%
40%

Beeinträchtigung durch Gerüche

5 - 15%
15%

Fehlen der (zugesagten) Kureinrichtungen (Thermalbad, Massagen)

20 - 40%
40%
Verpflegung:

Vollkommener Ausfall

50%
50%

eintöniger Speisenzettel

5%
5%

nicht genügend warme Speisen

10%
10%

verdorbene (ungenießbare) Speisen

20 - 30%
30%

Selbstbedienung (statt Kellner)

10 - 15%
15%

lange Wartezeiten

5 - 10%
10%

Essen in Schichten

10%

verschmutzte Tische

5 - 10%
10%

verschmutztes Geschirr, Besteck

10 - 15%
15%

Fehlende Klimaanlage im Speisesaal
(bei Zusage)

5 - 10%
10%
Sonstiges:

Fehlender oder verschmutzter Swimmingpool

10 - 20%
20%

Fehlendes Hallenbad
(bei Zusage und vorhandenem Swimmingpool)

10%
10%

Fehlendes Hallenbad
(bei Zusage und nicht vorhandenem Swimmingpool)

20%
20%

Fehlende Sauna
(bei Zusage)

5%
5%

Fehlender Tennisplatz
(bei Zusage)

5 - 10%
10%

Fehlendes Minigolf
(bei Zusage)

3 - 5%
5%

Fehlende Segel-, Surf-, Tauchschule
(bei Zusage)

5 - 10%
10%

Fehlende Möglichkeit zum Reiten
(bei Zusage)

5 - 10%
10%

Fehlende Kinderbetreuung
(bei Zusage)

5 - 10%
10%

Unmöglichkeit des Badens im Meer
(je nach Prospekt-beschreibung und zumutbarer Ausweichmöglichkeit)

10 - 20%
20%

Verschmutzter Strand

10 - 20%
20%

Fehlende Strandliegen, Sonnenschirme
(bei Zusage)

5 - 10%
10%

Fehlende Snack- oder Strandbar
(je nach Ersatzmöglichkeit)

0 - 5%
5%

Fehlender FKK-Strand
(bei Zusage)

10 - 20%
20%

Fehlendes Restaurant oder Supermarkt bei Hotelverpflegung
(bei Zusage / je nach Ausweichmöglichkeit)

0 - 5%
5%

Fehlendes Restaurant oder Supermarkt bei Selbstverpflegung
(bei Zusage / je nach Ausweichmöglichkeit)

10 - 20%
20%

Fehlende Vergnügungseinrichtungen (Disco, Nightclub, Kino, Animateure)
(bei Zusage)

5 - 15%
15%

Fehlende Boutique oder Ladenstraße
(je nach Ausweichmöglichkeit)

0 - 5%
5%

Ausfall von Landausflügen bei Kreuzfahrten
(berechnet auf den anteiligen Reisepreis je Tag des Landausflugs)

20 - 30%
30%

Fehlende Reiseleitung bei bloßer Organisation

0 - 5%
5%

Fehlende Reiseleitung bei Besichtigungsreisen

10 - 20%
20%

Fehlende Reiseleitung bei Studienreisen mit wissenschaftlicher Führung
(bei Zusage)

20 - 30%
30%
Transport:

Zeitlich verschobener Abflug über vier Stunden hinaus
(berechnet auf den anteiligen Reisepreise für einen Tag für jede weitere Stunde)

5%
5%

niedrigere Klasse

10 - 15%
15%

erhebliche Abweichung vom normalen Standard

5 - 10%
10%

Verpflegung

5%
5%

Fehlen der in der Flugklasse üblichen Unterhaltung (Radio, Film, etc.)

5%
5%